Ein geschichtlicher Überblick

Im idyllisch am Neckar gelegenen Weinort Mundelsheim findet der Besucher auch zahlreiche Gasthäuser. Eines der ältesten und traditionsreichsten ist das Gasthaus zum Ochsen, dessen Existenz gemäß einer schriftlichen Überlieferung bereits im Jahr 1585 nachweisbar ist. Die früheste gesicherte Erwähnung eines Ochsenwirtes belegt ein Kaufvertrag vom 2. Juni 1679, in dem ein Hanß Jacob Rieckher mit der Berufsbezeichnung "Ochsenwirt" einen Acker erwirbt.

Der "Ochse" war eine sogenannte Schildwirtschaft. Das vom Wirt außen angebrachte Schild zeigte an, dass es sich um eine Speisewirtschaft mit Beherbergungsbetrieb handelte, für die eine Sondersteuer zu entrichten war.

In früheren Zeiten vermarkteten die Mundelsheimer Weingärtner ihre Weine noch selbst. Mit den Weinkäufern aus nah und fern kam man in den Gasthäusern ins Geschäft. Da die Wohnverhältnisse damals sehr beengt waren, fanden Familienfeste unter anderem im Gasthaus zum Ochsen ihren festlichen Rahmen. Die notwendige Vorratshaltung war durch den sich unter dem Gebäude befindlichen Gewölbekeller kein Problem.

Im Jahre 1812 kaufte Familie Müller den "Ochsen" und führte seit 1844 in mehreren Generationen den Wirtschaftsbetrieb. Ende des 19. Jahrhunderts begann für das Gasthaus eine neue Blütezeit, denn die Städter entdeckten das Land als Ausflugsziel. Die wertvollen Kunstglasfenster im Nebenzimmer des "Ochsen" stellte die bekannte Stuttgarter Kunstglaserei Saile im Jahr 1914 her. Es folgten durch den 1. Weltkrieg, die Weltwirtschaftskrise und den 2. Weltkrieg schwierige Zeiten für das Gaststättengewerbe. Ab 1933 übernahmen die älteste Tochter Emma und ihr Ehemann Ernst Schneider das Gasthaus. Auch die Äcker und Weinberge bewirtschaftete die Familie mit Sohn Otto und Tochter Ruth. Der Ochsenwirt baute aus alter Tradition eigenen Fasswein aus, den er seinen Gästen anbot. Nach dem Tod des Besitzers wurde das Gasthaus einige Zeit nicht betrieben.

Am 17. Dezember 1996 erwarb der Bauunternehmer Karl Kölbl das Ochsen-Areal, das vom Frühjahr 1997 an saniert wurde. Dazu zählten der Abbruch des Stallgebäudes und der Scheuer sowie die Renovierung des Gebäudes von Grund auf. Der Charakter des Gesamt-Ensembles sollte weitgehend bewahrt bleiben und zugleich die technischen Vorteile eines Neubaus beinhalten.

Neben der Gaststube mit ihren rund 40 Plätzen und der Käsbergstube mit etwa 45 Plätzen, verdient der im Jahre 1903 anstelle des Stallgebäudes im Fachwerkstil erbaute Mühlbächersaal mit seinen 120 Plätzen besondere Erwähnung. Im Jahr 1965 renovierte die damaligen Besitzer den Mühlbächersaal aufwendig. Dies zeigen die Wandverkleidung in Brasilkiefer und Schilfsandstein und der Parkettfußboden. Dieser Teil des Gebäudes ist aus dem gesellschaftlichen Leben Mundelsheims nicht mehr wegzudenken. Er bietet für Privatfeiern ebenso den Rahmen wie für offizielle oder kulturelle Veranstaltungen.

Die bleiverglasten Fenster im Nebenzimmer des Ochsen mit Motiven aus dem Weinbau und der Gemeinde Mundelsheim, die dunkle Wandvertäfelung sowie der Kachelofen in der Gaststube des Hauses gestalteten die Renovierung recht aufwendig. Details, die für ein stimmiges Gesamtbild sorgen, fanden große Beachtung. Als Beispiel sei hier das Wirtshausschild genannt, das unter Denkmalschutz genommen wurde.

Nach Erneuerung der Außenfassade erstrahlte der "Ochsen" zur Wiedereröffnung im August 1998 wieder in altem Glanz. Umfangreiche Abrissarbeiten in der nahen Umgebung ermöglichten eine Erweiterung der Parkmöglichkeiten und die Anlage eines inzwischen schön eingewachsenen schattigen Biergartens mit ca. 70 Plätzen mitten im Ort.